Pressespiegel - „Leppusconi“ und der Landrat

Peter Lepper, TechniSat Digital GmbH Foto: laifKölner Stadtanzeiger, 13.07.2012
(Bild: Peter Lepper, TechniSat Digital GmbH Foto: laif)

Heinz Onnertz, Landrat des Kreises Vulkaneifel, ist nach einer Kampagne der „Eifel-Zeitung“ zurückgetreten. Zur Hälfte gehört das Anzeigenblatt einem Unternehmen von Peter Lepper. Auch er ist Politiker. In der Eifel ist nun ein heftiger Streit entbrannt. Von Michael Hedrich

Daun. Unterirdisch brodelt es im Landkreis Vulkaneifel seit Jahrtausenden, Lava-Eruptionen prägten das Land der Krater und Maare. Ausbrüche ganz anderer Art vergiften derzeit aber das politische Klima im mit rund 61 000 Einwohnern kleinsten Landkreis von Rheinland-Pfalz. Der schwelende Streit zwischen einem Unternehmer, einem Landrat und einer kleinen Zeitung bringt viele Eifeler auf die Palme und sorgt deutschlandweit für Aufmerksamkeit.

 

Der Landrat gab jetzt auf: "Ich kann nicht mehr", verkündete Heinz Onnertz am vergangenen Freitag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Der 62-jährige ehemalige Richter war 2007 zum zweiten Mal ins Amt gewählt worden. Jetzt will er in den Ruhestand gehen und seine achtjährige Amtszeit zum 31. März 2013 vorzeitig beenden. Als Hauptgrund für den Rücktritt nennt der parteilose Politiker eine "Hetzkampagne der »Eifel-Zeitung«".

Bürger-Union Vulkaneifel

Die Zeitung, ein Anzeigenblatt, das in einer Auflage von rund 70.000 Exemplaren kostenlos verteilt wird, ließ es sich denn auch nicht nehmen, den Rücktritt des missliebigen Landrats kommentierend zu berichten: "Viele Darstellungen sieht Onnertz aus seiner Sichtweise ganz anders, als sie sich in Wirklichkeit zugetragen haben", heißt es in der Online-Ausgabe des Blattes ebenso nebulös wie holprig. Des Weiteren wirft der nicht namentlich genannte Autor dem Landrat unter anderem "mangelndes Demokratieverständnis" und "ein gewisses Obrigkeitsdenken" vor. 50 Prozent des Verlags gehören der "Techniropa Holding" mit mehr als 350 Millionen Euro Umsatz. Die Holding gehört zum Imperium Peter Leppers. Der Unternehmer engagiert sich in der Region auch sozial und bekam dafür das Bundesverdienstkreuz.

Peter Lepper ist aber nicht nur Unternehmer und Wohltäter, sondern auch Politiker. Er gründete die "Bürger-Union Vulkaneifel" (BUV), die 2009 unter seinem Vorsitz in den Kreistag einzog. Bis zu diesem Zeitpunkt unterstützten sowohl Lepper als auch die "Eifel-Zeitung" den Landrat, den die BUV im Wahlkampf sogar als Zugpferd nutzte. Als echte Männerfreundschaft galt die Verbindung zwischen Wirtschaftsführer Lepper und Politiker Onnertz. Doch 2010 kam es zum Zerwürfnis. Nicht nur im Kreistag flogen die Fetzen: Auch die "Eifel-Zeitung" schoss sich auf den zuvor so überaus geschätzten Landrat ein.

Worum es eigentlich geht, ist unklar

Offenbar habe er etwas gemacht, das Lepper nicht gefalle, mutmaßte der Landrat. Genaueres wisse er aber nicht. Worum es eigentlich ging, bleibt bis heute ein Geheimnis. Vielleicht prallten hier einfach nur zwei starke Egos aufeinander, hieß es. Der Konflikt eskalierte, die Wortwahl wurde gröber - auch im wöchentlichen Anzeigenblatt. Als Idiot sei er jeden Donnerstag hingestellt worden, mit "unverschämten und ungeheuerlichen Unterstellungen wie etwa Untreuevorwürfen", meinte Onnertz. Die "dauerhafte Hetzkampagne der BUV-nahen »Eifel-Zeitung«" und die Blockade seiner Arbeit im Kreistag ließen ihm offenbar nur den Rücktritt übrig.

Die medialen Angriffe auf den Landrat und andere Politiker riefen auch Eifel-Krimi-Autor Jacques Berndorf (Michael Preute) auf den Plan. In einem offenen Brief, der an alle Haushalte im Kreis verteilt wurde, griff er Lepper frontal an. Der Unternehmer habe mit seiner "miesen Zeitung" die politische Atmosphäre im Vulkankreis "versaut". "Er missbraucht die Institution, die er sich dazu selbst geschaffen hat", heißt es. Das Blatt diene nur dazu, auf einzelnen Lieblingsgegnern - allen voran dem Landrat - herumzuhacken. Noch vor Berndorfs Einsatz hatte sich im Internet-Netzwerk Facebook eine Gruppe "Keine Eifel-Zeitung" formiert, die heute fast 1400 Mitglieder hat. "Leppusconi" und "Herr Gernegroß" wird Lepper hier genannt. 10.000 Aufkleber mit der Aufschrift "Keine Eifel-Zeitung - alle anderen gerne" wurden verteilt und kleben an vielen Eifel-Briefkästen. "Ich weise Ihre Diffamierungen und Unterstellungen aufs Schärfste zurück", schrieb Lepper als Antwort an Berndorf. Er sei nicht direkt an der "Eifel-Zeitung" beteiligt, schreibe nicht und sei auch kein Redakteur. "Offenbar angestachelt von Herrn Onnertz" habe der Krimi-Autor seine Kritik verfasst. Auch die "Eifel-Zeitung" mit ihrer löblichen Maxime "Für Wahrheit und Recht" sieht sich einer Hetzkampagne ausgesetzt. Über die Kritiker im Internet wundert man sich allerdings nicht: Soziale Netzwerke wie Facebook seien nur "ein neuer Tummelplatz für Soziopathen und jede Menge Trittbrettfahrer", wird in einem Artikel festgestellt.

Einstweilige Verfügung gegen Jacques' Berndorf

Doch "Jetzt ist Schluss mit lustig!", kündigte Redaktionschef und Geschäftsführer Peter Doeppes an. Einstweilige Verfügungen wurden erwirkt - zum Beispiel gegen Krimi-Autor Berndorf. Der hatte behauptet, in der "Eifel-Zeitung" abgedruckte Leserbriefe mit erstaunlich übereinstimmenden Textpassagen stammten aus der Feder ein- und desselben Autors. Unter der Androhung von 250 000 Euro Ordnungsgeld nahm Berndorf die Behauptung zurück.

Die Leserbriefe ließ er auf seiner Internetseite stehen: "Nicht untersagt wurde, dass der aufmerksame Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann." Es wird weiter brodeln im Vulkankreis.

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