Pressespiegel - "Eifel-Zeitung" verklagt

Hahne_DPA_1aus dem Wochenspiegel KW 22/2012

Weit über die Landesgrenzen hinaus ist der Journalist und Buchautor Wilhelm Hahne aus Virneburg (Kreis Mayen-Koblenz) bekannt. Nicht zuletzt wegen seiner kritischen Berichte rund um den Nürburgring-Skandal. Seine Texte lieferte der 79-Jährige auch an die „Eifel-Zeitung“, doch beim Honorar wurde er offenbar ausgebremst.

KREIS. „Ich kann es mir bis heute noch nicht richtig erklären“, sagt Wilhelm Hahne. „Es begann mit einem Anruf im Jahr 2008“, fügt er hinzu. Peter Doeppes, der Geschäftsführer und Redaktionsleiter der „Eifel-Zeitung“, kontaktierte den freien Journalisten und interessierte sich offenbar für die kritische Berichterstattung rund um den Nürburgring. Der 79-Jährige habe der „Eifel-Zeitung“ regelmäßig Geschichten zur Verfügung gestellt, dafür aber kein Honorar gesehen. „Nach über 50 gelieferten Texten habe ich es noch einmal im Guten versucht - ich reichte eine Pauschalabrechnung über 10.000 Euro ein“, sagt der Journalist. Nach einem Bericht der Rhein-Zeitung verpflichtete sich die „Eifel-Zeitung“ nun vor Gericht zur Zahlung von 13.000 Euro Honorar. Lesen Sie den ganzen Artikel hier:


Nach 50 Artikeln: Nürburgring-Enthüller Hahne erstreitet Honorar von Eifel-Zeitung
Ein Gastbeitrag von Lars Wienand, mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung

DAUN/VIRNEBURG - Seine kritischen Texte zum Nürburgring haben ihm Einstweilige Verfügungen und eine Hausdurchsuchung beschert, seine Arbeit hat einen Keil zwischen ihn und seinen Bruder getrieben und der Eifel-Zeitung zu Bekanntheit weit über die Eifel hinaus verholfen.


Und doch hatte Journalist Wilhelm Hahne (79) für den Abdruck von mehr als 50 Texten in der Zeitung kein Honorar gesehen. Erst
nach dem Gang vors Gericht bekommt Hahne sein Geld. Am 2. Januar hatte es Wilhelm Hahne noch ein letztes Mal im Guten versuchen wollen. Ehe er die Gerichtskosten für die Klage auf Zahlung eines angemessenen Honorars einzahlte, war er aus seinem
Wohnort Virneburg im Kreis Mayen-Koblenz noch einmal nach Daun gefahren. Doch dort habe der Redaktionsleiter der Eifel-Zeitung, Peter Doeppes, habe sein Anliegen mit Nachdruck abgelehnt, sagt Wilhelm Hahne später im Landgericht Frankenthal.

Dort ist die Klage von Hahne auf eine angemessene Vergütung nach dem Urheberrechtsgesetz verhandelt worden. Der bissige Journalist hatte über viele Monate hinweg mit seinen Texten für Aufregung im politischen Mainz und in der Eifel gesorgt: Hahne deckte auf, nahm mit seinen Berichten in der Eifel-Zeitung Teile des Skandals vorweg, der sich am Nürburgring abspielte und noch kein gutes Ende gefunden hat. Hahne verbringt unzählige Stunden mit Informanten, mit Beobachten, mit Telefonaten, mit Schreiben. Mitte 2009 kommen Ermittler nach einer Anzeige des Ringinvestors Mediinvest und der Nürburgring GmbH in sein Haus und beschlagnahmen Computer, Kameras und Mobiltelefone.

Er hat in einer Pressekonferenz einen Werbefilm offen mitgefilmt - und steht nun unter dem Verdacht des Verrats von Geschäftsgeheimnissen. Viele Menschen rund um den Ring sehen das als Einschüchterungsversuch. Das Landgericht Koblenz erklärt die Aktion später für nicht rechtens. Die genaue Zahl der Einstweiligen Verfügungen und Verhandlungen in Sachen Ring hat Wilhelm Hahne nicht mehr parat. Da müsste sein Anwalt nachschauen.

Dass ausgerechnet sein Bruder, der frühere Rennfahrer Hubert Hahne, vom Ring als „Nürburgring-Botschafter“ präsentiert wurde, war für ihn noch ein weiterer Tiefschlag - und hat zur Eiszeit zwischen beiden geführt. Geld für den Abdruck seiner Texte in der Zeitung sah er aber nicht. Nach dem ersten Beitrag im Jahr 2008 fragt er nach Honorierung. In der Antwort steht sinngemäß, die Abrechnung werde bald gemacht. Einen Satz, den er noch oft hören wird. In der Verhandlung vor dem Landgericht Frankenthal spricht der Anwalt des Blattes dann von einem freundschaftlichen Kontakt mit Hahne. Von dem gemeinsamen Anliegen, am Nürburgring aufzuklären,
ist die Rede, von einem Gefälligkeitsverhältnis.

Hahne, der auch auf seiner eigenen Seite motor-kritik.de veröffentlicht, sieht das so: „Ich sollte dankbar sein, dass die Eifel-Zeitung mir eine Plattform bietet.“ Nach mehr als 50 Artikeln ohne Geld reicht es ihm: Er schreibt 2011 eine Rechnung über 10.000 Euro netto - ohne Erfolg. Die Eifel-Zeitung zahlt nicht, will Hahne herunterhandeln.

Es kommt der 2. Januar, sein letzter Versuch scheitert - und jetzt klagt er, und nun auch nicht mehr auf 10.000, sondern auf fast 17.000 Euro einschließlich Zinsen. Mit der Summe würde er - nach seiner Rechnung über 10.000 Euro - nicht durchkommen, ließ das Gericht durchblicken. Hahnes Anwalt Matthias Rudolph von der Kölner Kanzlei Frey, die auch den Verein „Ja zum Nürburgring“ bei dessen Vergabe-und Beihilfebeschwerden bei der EU-Kommission vertritt, schlägt vor Gericht schließlich 13.000 Euro vor.

Geschäftsführer Peter Doeppes und sein Rechtsanwalt lassen sich nach kurzer Beratung darauf ein. Doch auch das Gericht ist Sieger:
Doeppes und Anwalt lassen als Geschenk für die Bibliothek das vom Eifel-Zeitungs-Verlag verlegte Hahne-Buch „Nürburgring 2009“ da und schlagen dem Richter vor: „Vielleicht können Sie es ja noch von Herrn Hahne signieren lassen.“

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