Pressespiegel - »Jagdszenen aus der Eifel«

BErndorf_WSAus dem Wochenspiegel vom 16.05.2012 (Bild: Wochenspiegel)

Krimiautor Jacques Berndorf wird in Leserbriefen unverhohlen zum Verlassen der Region aufgefordert

Der beliebte und erfolgreiche Krimi-Autor Michael Preute, alias Jacques Berndorf, ist vom »Jäger« fiktiver Verbrecher selbst zum real Gejagten geworden. Und das in seiner Wahlheimat, die er seit vielen Jahren schätzt und für die er sich einsetzt: die Eifel!

DAUN (eb). In mehreren Leserbriefen in der »Eifel-Zeitung« legen ihm Kritiker nahe, die Eifel zu verlassen.

Grund dafür dürfte unserer Meinung nach die Kritik von Berndorf an Eifel-Zeitung-Mitgesellschafter Peter Lepper sein. Der Schriftsteller hatte die - aus seiner Sicht - unjournalistische Vorgehensweise der »Eifel-Zeitung« in einem offenen Brief kritisiert (wir berichteten). Jetzt befürchten viele Freunde und Fans von Berndorf, dass die Region ihren prominentesten Fürsprecher verlieren könnte.

Als »schönsten Arsch der Welt« pflegt Jacques Berndorf die Eifel zu bezeichnen, wenn er auf die Abgeschiedenheit seiner Wahlheimat angesprochen wird. Der Autor ist bekannt für seine knorrige, aber wirksame Art, der bundesdeutschen Öffentlichkeit die Eifel als wunderschöne Ferienlandschaft mit unverwechselbaren Charakteren ans Herz zu legen. Berndorf sowie sein Kollege Ralf Kramp gelten auch als Hauptinitiatoren des Krimitourismus, u.a. mit dem Krimiwanderweg rund um Hillesheim und dem Festival »Tatort Eifel«, das alle zwei Jahre prominente Schauspieler, Regisseure, Programmentscheider von Fernsehsendern und Autoren in die Vulkaneifel lockt.

Die Kritik an Berndorf setzte ein, nachdem sich der erfahrene Journalist (arbeitete u.a. für Spiegel und Stern) in einem Offenen Brief an den Dauner Unternehmer Peter Lepper gewandt hatte, der Mitgesellschafter der »Eifel-Zeitung« ist. Berndorf kritisierte die seiner Ansicht nach in der »Eifel-Zeitung« praktizierte Form der Meinungsmache. Die weitere Verbreitung des Briefes wurde Berndorf auf Antrag von Leppers Anwälten per Einstweiliger Verfügung untersagt. Seitdem äußerte sich Berndorf nicht mehr zu diesem Brief. Die »Eifel-Zeitung« selbst, die Berndorfs Offenen Brief nicht abgedruckt hatte, befeuert - diesen Eindruck haben wir gewonnen - den Konflikt seitdem, u.a. mit Leserbriefen. Die Autoren Berndorf und Kramp werden wieder und wieder als Hauptverantwortliche einer angeblich von Landrat Heinz Onnertz gesteuerten »Hetzkampagne« genannt.

So darf beispielsweise ein Leser aus Pronsfeld mit Verweis auf eine Berndorf-Lesung in Prüm Folgendes an die Adresse des als »egomanisch« bezeichneten Krimiautors schreiben: »Damals schon war es eine Begegnung voller Misstrauen, ja Hass. Warum? Wegen Ihrer Schülerlesung mit antiklerikalen Thesen, die mich anwiderten... (...) Sie sind und werden kein Eifeler! (...) Sie können gerne auswandern!« In dieselbe Kerbe haut auch ein weiterer Schreiber aus Kirchweiler: »Die Eifel kann gut und gerne auf einen Jacques Berndorf verzichten, während ein Peter Lepper ein Segen für die Region ist.«

Peter Lepper selbst äußert sich in einem ausdrücklich zur Verbreitung gedachten Brief, den er am 11. Mai an Jacques Berndorf und in Kopie an den presserechtlich Verantwortlichen der »Eifel-Zeitung« Peter Döppes sandte: »Alter schützt vor Dummheit und Torheit nicht«, mahnt dort der 65-jährige Lepper den 76-jährigen Berndorf, zudem erwarte er »eine allumfassende, ordentliche Entschuldigung, die ich ebenso wie diesen Brief hier an Sie veröffentlichen werde«.

Und der Eifelkrimi-Guru Berndorf selbst? Er will sich nur kurz äußern. »Ich lebe hier seit fast dreißig Jahren und ich lebe gern hier. Aber jetzt ist es das erste Mal, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, die Eifel zu verlassen. Denn in einer Umgebung, die so in Hass ertränkt wird, nur weil man es wagte, die Art der Zeitungsmache zu kritisieren, kann niemand in Frieden leben.«
 
Ob der Konflikt Stoff für einen neuen Eifelkrimi sei? »Nein«, wehrt der Autor ab, das würden doch normale Leser anderswo in Deutschland niemals als glaubhafte Story ansehen, sondern für total »meschugge« halten. »Das will ich der Eifel auch nicht antun«, sagt er. Selbst dann nicht, wenn er seine Zelte in der Wahlheimat abbreche, um in seine alte Heimat zurückzukehren.

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